Die Heldenreise 5) Das Abenteuer beginnt: Von Schwellenhütern & ersten Schritten in der neuen Welt

„Es reicht es nicht es zu wollen – man muss es auch tun!“ Goethe

In der fünften Stufe der Heldenreise beginnt endlich das Abenteuer. Der Held hat alle seine Zweifel hinter sich gelassen und ist voller Zuversicht und bricht die Reise nun endlich an. Der Ruf und seine Bestimmung sind weitaus lauter in ihm, als die Weigerung. Die neue Welt ist zum greifen nah. Das ist der Moment indem der Held frohen Mutes und aktiv den ersten Schritt macht. Oder besser gesagt machen will. Denn sobald der Held den ersten Schritt gemacht hat, trifft er auf einen „Schwellenhüter“. Das ist jemand, der versucht den Helden von seinem Vorhaben, der Reise, abzubringen.

„Du kommst hier net rein!“ – „Der Schwellenhüter“ 

Ok, du lässt die gewohnte Welt zurück. Steigst in den Bus oder die Bahn. Machst deinen ersten holprigen Schritt ins Neue. Voller Zuversicht. Doch schon bald kommt die erste Bremse. Ein Faktor, der den Beginn deiner Reise alles andere als einfach macht. Nicht um sonst heißt es „Aller Anfang ist schwer!“ Dies ist der erste Test. Denn auf der Schwelle zur neuen Welt wartet meistens ein Schwellenhüter. Seine Aufgabe ist es dich abzublocken, dich zurückzuschicken, dich zu verunsichern. Er dazu da deine Euphorie, deinen energetischen Schwung zu bremsen und deine Reise in Frage zu stellen. Es kann jemand aus der neuen Welt sein, eine Art ein Wachdienst oder Zollposten, der etwas von dir verlangt, was du nicht hast. Es kann aber auch jemand aus der gewohnten Welt sein, deine Mutter z.B., die dir sorgenvoll gefolgt ist und versucht dich zurückzuholen. Sie weint, weil die Reise „zu gefährlich“ ist. Was wird der Held nun tun? Ist er immer noch entschlossen und findet einen Weg, den Schwellenhüter auszutricksen? Diese erste Probe ist notwendig, denn es ist der entscheidende Test, ob der Held es wirklich ernst meint. Diese Reise wird voller Herausforderungen sein, wenn er sich jetzt schon von dem erst besten Hindernis abhalten lässt, dann wird er es niemals bis zum Ziel schaffen.

Buddhas Heldenreise – er flieht aus dem goldenen Käfig

In Siddharthas Fall gab es nicht nur einen Schwellenhüter, sondern etliche. Er war Vater geworden und seine Frau Yasodhara versuchte natürlich alles, um Siddhartha an die junge Familie zu binden. Sein Sohn wurde „Rahula“ genannt, was mit „Fessel“ übersetzt werden kann. Auch Siddharthas Vater, der König Suddhodana versuchte alles um seinen Thronfolger an seine Rolle als zukünftiger König zu binden. Das heißt er hatte alle Gründe zum Zweifeln und Abwägen gehabt. Doch Siddhartha war fest entschlossen, seine gewohnte Welt und damit das Amt des zukünftigen Königs hinter sich zu lassen. Daher ging er zu  seinem Vater, dem König, und offenbarte seinen Plan den Palast zu verlassen. Weil er seinen Vater ehrte, wollte er ehrlich zu ihm sein: Sein Schicksal sei in der Einkehr zu leben und die Buddha-Natur, also die Erleuchtung zu erlangen. Die Reaktion des Königs war: An allen Toren des Palastes Wachen, also Schwellenhüter aufzustellen. Obwohl hunderten von Männern die Tore des Palastes überwachen, gelang es Siddhartha trotzdem sie alle zu umgehen. Da er sich nachts auf den Weg machte, schliefen alle tief und fest – und so konnte er die Freiheit entkommen.

Unsere spirituelle Heldenreise 

Auf unserer eigenen spirituellen Heldenreise treffen wir gerade am Anfang Menschen die uns zweifeln lassen. Manchmal sind sogar Verwandte oder Freunde, die uns plötzlich für verrückt erklären. Ein Schweige-Retreat im Kloster? Eine Reise nach Indien in einen Ashram? Eine Yoga-Ausbildung? Oder ein Darshan (eine Begegnung) mit einem Heiligen? Eine Umarmung von Amma? Die kritischen Stimmen zu solchen Vorhaben, sind immer Schwellenhüter, die nur ein Ziel haben: Dich davor abzuhalten spirituell zu wachsen. Sie selbst verharren in ihrer Alltagswelt. Die gewohnte Welt für viele gemütlich, um in unbekanntes Gewässer vorzustoßen. Doch wer zu lange in der gewohnten Welt verharrt, kann stagnieren. Wer seine Herzenswünschen zu lange ignoriert, wird auch im sicheren und wohlhabenden zu Hause unglücklich sein. Wenn du dich auf dem spirituellen Pfad befindest, dann hast du die Reise der Selbstverwirklichung und Weiterentwicklung gewählt. Lass dich von niemanden davon abhalten, diesen Weg fortzusetzen!

Unsere eigene Heldenreise – Hausaufgabe „nächste Schritte“

Wenn ich etwas Neues beginne, mache ich mir in der Übergangszeit von „Plan“ zu „Realisierung“ eine „Nächste Schritte-Liste“. Darin liste ich einfach auf, was mir einfällt, was ich als erstes oder als nächstes tun kann. Mach das auch und frage dich: „Was bringt mich ins Wachstum? Und nun: Was hält dich davon ab den ersten Schritt zu machen?

Weitere Artikel zur Heldenreise:

1) „Die gewohnte Welt

2) „Der Ruf

3) „Die Weigerung

4 „Der Guru/Mentor“ 

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