Das Knigge des Yoga Teil 1: Yama – Mein Umgang mit anderen (Vorbereitung für die Meditation)

Neulich als wir einen Filmworkshop mit Flüchtlingskindern gemacht haben, sagte einer der Jungs „Regel, Regeln immer diese Regeln!“, da musste ich schmunzeln. Ja vielleicht gibt es in Deutschland tatsächlich mehr Regeln, als in anderen Ländern. 🙂

Die Benimm-Regeln des Yoga

Sogar im Yoga gibt es Regeln. Diese nennen sich Yamas und Niyamas. Die Yamas beziehen sich auf dem Umgang mit anderen Menschen und die Niyamas sind für den Umgang mit sich selbst.

Früher haben die Yogis noch bevor sie mit den Asanas begonnen haben, diese Regeln für eine längere Zeit befolgt, denn und sich somit innerlich gereinigt, bevor man in die tiefere spirituelle Ebenen abgetaucht ist.

Hier also die Yamas (Regeln für Umgang mit Anderen)


Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Ahimsa ist wahrscheinlich die bekannteste Regel der Yamas. Gandhi hat seine gesamte friedliche Revolution auf ihr aufgebaut. Denn Gewalt erzeugt Gegengewalt und somit ist es unlogisch für den Frieden mit Waffen zu kämpfen.

Hier ist das nicht-verletzen in jeder Hinsicht gemeint. Nicht nur in der praktischen Umsetzung also in der Tat, sondern auch in Wort und Gedanken. Also in der Kommunikation niemanden zu verletzen, aber auch nicht in Gedanke über eine Person zu urteilen, so schlecht sie auch sein mag. Diese Regel steht zwar unter den Yamas, also den Regeln für den Umgang mit anderen, aber es ist auch das Nicht-verletzen mit sich selbst gemeint. Weder mit Drogen, noch mit dem inneren Kritiker. Es schließt gewaltfreie Kommunikation, gewaltfreien Umgang mit anderen und die gewaltfreie Zone im Kopf mit ein.

Satya (Wahrhaftigkeit)

Dieses Yama gleicht dem biblischen „Du sollst nicht Lügen“. Hier geht es um Wahrhaftigkeit. Aber es gilt natürlich Satya zu definieren. Gemeint ist nicht nur ohne zu lügen zu kommunizieren und andere auch nicht hereinzulegen, oder zu meinem Gunsten in irgendeiner Art zu betrügen, sondern auch authentisch zu sein. Das schließt ein, dass man sich nicht zu verstellen braucht, um besser bei anderen anzukommen. In unser Gesellschaft geht es viel um das „sich verkaufen“ in Bewerbungsgesprächen oder bei unseren Vorgesetzen. Aber das schadet unserem Energiesystem. Denn die Kernaussage von „satya“/Wahrhaftigkeit ist, sich weder kleiner noch größer zu machen. Denn in Wahrheit sind alle Menschen reines Bewusstsein, und niemand ist besser oder schlechter. Dass uns das die Leistungsgesellschaft verkauft, macht es nicht besser. Satya wäre der bessere Weg.

Asteya (nicht stehlen)

Auch diese Regel gleicht einer biblischen, nämlich „Du sollst nicht stehlen“. Sowohl materiell gesehen, noch geistiges Eigentum von anderen als eigenes verkaufen. Diese Themen in diesem Blog zum Beispiel. Diese sind natürlich nicht von mir ausgedacht, sondern haben ihren Ursprung in uralten vedischen Schriften, sie stammen von Rishis und Gurus.

Asteya bedeutet auch bescheiden zu sein, also weder angeberisch und größenwahnsinnig zu sein, aber auch nicht im Mangel also in der Opferrolle. Was das mit stehlen zu tun hat? Die Antwort ist Energie! Indem wir uns klein und bedürftig machen, stehlen wir unbewusst die Energie von denen, die uns trösten. Und wenn wir uns erhöhen, wollen wie auch die Aufmerksamkeit der anderen. Auch das gehört zu unserer Kultur. Und es ust auch mal ok, sich trösten zu lassen, wenn es wirklich angebracht ist. Aber wegen jeder Mücke zu meckern und diese zum Drama-Elefanten zu machen, ist energetischer Diebstahl.

Brahmacharyia (Mäßigung)

Diese Yama hat die meisten Diskussionen in der spirituellen Welt ausgelöst, denn Mönche verstehen unter Brahmacharyia vor allem die sexuelle Enthaltsamkeit. Hier ist für uns weltliche Menschen die Rede von Mäßigung. Nicht nur in Bezug auf die körperliche Liebe, sondern vor allem die Vermeidung von Maßlosigkeit. Im Essen, Kaufverhalten, Konsum in jeglicher Hinsicht, auch das Internet, ja sogar den Redeanteil, wenn man eine Quasselstrippe wie ich ist 🙂 Also wieder das Maß aller Dinge.

Aparigraha (nicht anhaften, nicht begehren)

Die letzte Yama ist besonders schwer zu verstehen, wenn man ein durch und durch weltlicher Mensch ist. Aparigraha bedeutet das „nicht anhaften, nicht begehren“, also genau das Gegenteil von unserer Konsumgesellschaft. Auch nicht begehren auf einen Menschen bezogen. Vielleicht kann man diese Regel auch auf das biblische „Du sollst nicht die Frau deines Nachbarn begehren, du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren, nicht sein Feld, (…) nichts, was deinem Nächsten gehört.”

Denn Verlagen wird als Hindernis im Yoga angesehen, denn es nimmt deinen Verstand komplett ein und du verlierst dich energetisch in deinen Sehnsüchten und Wünschen. Natürlich ist es schwer dieses Yama umzusetzen, denn wir haben alle Wünsche, manche sogar spiritueller Natur. Es ist ok, Dinge zu wollen, solange sie uns nicht besitzen. Ein Yogi ist ein Minimalist. Er befreit sich von allem Bindenden.

 

Welches Yama hast du in deinem Leben schon verinnerlicht?

Und an welchen möchstet du noch arbeiten?

🙂 Juli

Hier geht es zu den Niyamas…

Kategorie Yoga

Ich liebe Avokadobrot, ausschlafen, Jasmintee, die Sonne und das Meer. Seit ungefähr 7 Jahren beschäftige ich mich neben meiner freiberuflichen Tätigkeit als Autorin und Filmemacherin, auch mit Meditation, Energie und Yoga. Außerdem schreibe ich gerade an meinem ersten Roman "yoga-diary - 154 Tagen um die Welt" und freue mich darauf, wenn ich diesen hier vorstellen kann!

2 Kommentare

  1. Was für ein toller Blog, ich stöber unheimlich gerne in deinen Beiträgen und jaaaa,ich will immernoch so viele Bücher lesen 🙂

    • 🙂 danke, liebe Jasmin!
      Das freut mich sehr! Welche Themen interessieren dich am meisten?
      Buchrezensionen? Yoga? 🙂
      Herzlichen Gruß aus Köln,
      Juli

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